MikroScore
Starke Evidenz Sicherheit: Wahrscheinlich sicher Studiendosis: 1 mg/Tag

Melatonin

Auch bekannt als: Melatonin, N-Acetyl-5-methoxytryptamin, Schlafhormon

Evidenzlage auf einen Blick

Starke Evidenz (mehrere Metaanalysen) für Verbesserung der Schlafqualität, Einschlafzeit und Jetlag. Antioxidative und potenziell zytoprotektive Effekte präklinisch gut belegt. Longevity-Endpunkte beim gesunden Menschen nicht direkt untersucht.

EU Health Claims: Zugelassen

EFSA hat Health Claims für Melatonin zugelassen: 'Melatonin trägt zur Verkürzung der Einschlafzeit bei' (0,5 mg vor dem Schlafen) und 'Melatonin hilft, Jetlag-Symptome zu lindern' (0,5 mg). Gleichzeitig ist Melatonin in Deutschland ab 0,5 mg Tagesdosis verschreibungspflichtig – ein Sonderfall in der EU.

Was ist Melatonin?

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das in der Zirbeldrüse produziert wird und den circadianen Rhythmus (Tag-Nacht-Zyklus) reguliert. Bei Dunkelheit steigt der Spiegel an, signalisiert dem Körper „Nacht” und bereitet ihn auf den Schlaf vor.

Mit dem Alter sinken die Melatonin-Spiegel deutlich: Im Alter von 60–70 Jahren produzieren Menschen oft nur noch 50 % der Menge wie Jüngere. Das trägt zu schlechterem Schlaf, gestörten circadianen Rhythmen und möglicherweise zu erhöhtem oxidativem Stress bei.

Der Longevity-Kontext

Melatonin ist nicht nur ein Schlafhormon, sondern auch ein potentes endogenes Antioxidans – es überquert alle Zellmembranen und schützt mitochondriale DNA direkt. In Tierversuchen verlängertes es die Lebensspanne verschiedener Organismen.

Für Menschen gilt: Schlechter Schlaf ist ein klarer Risikofaktor für alle wesentlichen Alterungserkrankungen (Herzerkrankungen, Diabetes, Demenz). Melatonin, das Schlaf verbessert, könnte daher indirekt Longevity-relevant sein – auch wenn das nicht direkt gemessen wurde.

Was sagen die Studien wirklich?

Klar belegt (EFSA-zugelassen)

  • Verkürzte Einschlafzeit (0,5 mg, 30 min vor Schlaf)
  • Jetlag-Linderung (0,5–1 mg)
  • Verbesserter Schlaf bei Schichtarbeitern

Gut belegte Wirkung

  • Schlafstörungen ab 55 Jahren (alter Rhythmus: besonders wirksam)
  • Antioxidative Wirkung: Glutathion- und SOD-Induktion präklinisch solide

Nicht belegt

  • Direkte Lebensverlängerung beim Menschen
  • Wirksamkeit über zirkadiane Effekte hinaus bei Gesunden

Der deutsche Sonderfall: Verschreibungspflicht

In Deutschland ist Melatonin ab 0,5 mg Tagesdosis verschreibungspflichtig (Arzneimittel). Das bedeutet: Über 0,5 mg offiziell nur mit Rezept. Produkte unter 0,5 mg sind als NEM erhältlich. In vielen anderen EU-Ländern (Niederlande, UK, Österreich) ist Melatonin frei verkäuflich in höheren Dosen.

Wer regulär in Deutschland kauft, findet daher meist nur 0,5 mg-Produkte – was nach der EFSA-Datenlage auch die wirksame Dosis ist.

Dosierung: Weniger ist mehr

Hochdosiertes Melatonin (5–10 mg) ist in Supplements populär, aber übermäßig und potenziell kontraproduktiv. 0,5–1 mg ist nach aktueller Evidenz die optimale Dosis für zirkadiane Schlafwirkung. Höhere Dosen können den natürlichen Rhythmus stören.

Ist Melatonin sicher?

Bei 0,5–5 mg kurzfristig gilt es als wahrscheinlich sicher. Nicht für Kinder ohne ärztliche Empfehlung. Nicht zusammen mit Alkohol. Kann Wechselwirkungen mit Antikoagulantien, Antidepressiva und Diabetes-Medikamenten haben.

Wichtigste Studien

Melatonin for treatment of sleep disorders – meta-analysis

Brzezinski A et al. (2005)

Meta-Analyse (17 RCTs): Melatonin verkürzte Einschlafzeit signifikant (-7,2 min) und verbesserte Schlafqualität. Effekte bescheiden, aber konsistent.

PubMed PMID 15691787

Melatonin as an antioxidant: under promises but over delivers

Hardeland R (2012)

Review: Melatonin neutralisiert reaktive Sauerstoffspezies direkt und induziert antioxidative Enzyme. Schutz der mitochondrialen DNA gut belegt (präklinisch).

PubMed PMID 22471152

New perspectives on the role of melatonin in human sleep, circadian rhythms and their regulation

Zisapel N (2018)

Review: Geringes Melatonin (0,5–1 mg) ist bei Schlafstörungen (besonders ab 55 Jahren) wirksamer als höhere Dosen. Chronobiologischer Effekt, kein sedativer.

PubMed PMID 29676709

Melatonin and aging: prospects for human intervention

Cardinali DP et al. (2013)

Review: Melatonin-Spiegel sinken mit dem Alter (ab ~40 Jahren deutlich). Supplementierung könnte circadiane Dysregulation und oxidativen Stress kompensieren. Longevity-Daten fehlen.

PubMed PMID 23574769

Produkte mit Melatonin

Noch keine bewerteten Produkte — wir arbeiten daran.

Alle bewerteten Produkte ansehen →