Was ist Myo-Inositol?
Myo-Inositol ist ein zuckerähnliches Molekül (Cyclohexanhexol), das als Second Messenger in zahlreichen Signalwegen fungiert – darunter der Insulinsignalweg, Serotonin-Rezeptoren und FSH-Signaling in Eierstöcken.
Es kommt natürlich in Lebensmitteln vor (Getreide, Hülsenfrüchte, Zitrusfrüchte), aber in therapeutisch wirksamen Mengen nur durch Supplementierung erreichbar. Der Körper kann es auch selbst aus Glucose synthetisieren, aber diese Kapazität kann bei metabolischen Störungen eingeschränkt sein.
Hauptindikationen
1. PCOS (Polyzystisches Ovarsyndrom)
Das ist der am stärksten belegte Einsatzbereich. Bei PCOS liegt häufig ein Myo-Inositol-Mangel in den Eierstöcken vor, der die FSH-Signalübertragung stört. Mehrere RCTs zeigen:
- Normalisierung des Menstruationszyklus
- Verbesserte Ovulationsrate
- Reduktion von Androgenen (Testosteron, DHEA)
- Verbesserung der Insulinsensitivität
- Günstige Effekte auf Schwangerschaftsraten
Das Verhältnis Myo-Inositol zu D-Chiro-Inositol (40:1) ist physiologisch und in Supplements oft nachgeahmt.
2. Insulinresistenz und metabolisches Syndrom
Als Cofaktor im Insulinsignalweg verbessert Myo-Inositol die Insulinsensitivität. Kleinere RCTs zeigen Effekte bei Nüchternblutzucker, Triglyzeriden und Blutdruck.
3. Psychische Gesundheit
Inositol ist ein Vorläufer des Phosphatidylinositol-Signalwegs, der Serotonin- und andere Neurotransmitter-Rezeptoren moduliert. Ältere RCTs zeigen Wirkung bei Panikstörung, OCD und Depression – aber keine modernen Replikationen.
Was sagen die Studien wirklich?
Klar belegt
- PCOS-Symptome: Ovulation, Hormonspiegel, Insulinsensitivität (mehrere Meta-Analysen)
- Insulinsensitivität: konsistente Verbesserungen in metabolischen Störungen
Gut belegt
- Gestationsdiabetes-Prävention (mehrere RCTs)
Frühe Evidenz
- Angststörungen, Panik, OCD (ältere RCTs, nicht repliziert mit modernen Methoden)
Nicht belegt
- Longevity-Endpunkte
- Wirksamkeit bei gesunden Personen ohne metabolische Störung
Ist Myo-Inositol sicher?
Bei 2–4 g/Tag gilt es als wahrscheinlich sicher. Bei höheren Dosen (12–18 g, wie in psychiatrischen Studien) gelegentlich Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen. Keine bekannten relevanten Wechselwirkungen. In der Schwangerschaft nach ärztlicher Rücksprache.