Was ist Pterostilben?
Pterostilben ist ein natürlich vorkommendes Stilbenoid – chemisch eng verwandt mit Resveratrol, aber mit zwei Methylgruppen statt Hydroxylgruppen. Diese kleine strukturelle Änderung macht einen großen Unterschied in der Pharmacokinetik.
Pterostilben kommt vor allem in Blaubeeren (hauptsächlich Pterocarya fraxinifolia), Trauben und bestimmten Holzarten vor – in der Nahrung aber in so geringen Mengen, dass therapeutische Dosen nur durch Supplementierung erreichbar sind.
Pterostilben vs. Resveratrol: der entscheidende Unterschied
| Eigenschaft | Resveratrol | Pterostilben |
|---|---|---|
| Orale Bioverfügbarkeit | ~20 % | ~80 % |
| Halbwertszeit | ~14 min | ~105 min |
| Lipophilie | Niedrig | Hoch (besser Zellmembran) |
| Metabolismus | Schnell konjugiert | Langsamer abgebaut |
Das bedeutet: Gleiche Dosis → 4× höhere Plasmaspiegel, deutlich längere Wirkdauer. Pterostilben ist quasi Resveratrol mit Bioverfügbarkeits-Fix.
Wirkmechanismen (ähnlich wie Resveratrol)
- SIRT1-Aktivierung: Deacetylase, die Stressresistenz, Mitochondrienbiogenese und DNA-Reparatur fördert
- AMPK: Energiesensor, hemmt mTOR und fördert Autophagie
- Nrf2: Antioxidativer Masterregulator (ähnlich wie Sulforaphan)
- NF-κB-Hemmung: Entzündungsdämpfung
Was sagen die Studien wirklich?
Belegte Effekte (kleine RCTs)
- Blutdrucksenkung: ~8 mmHg systolisch bei 125 mg/Tag
- Blutzucker: Verbesserungen in kleinen Studien bei metabolischem Syndrom
- Entzündungsmarker: CRP, TNF-α sinken in einigen Studien
Wichtiger Vorbehalt: LDL-Anstieg
Die Riche-et-al.-Studie zeigte bei 250 mg/Tag einen unerwarteten LDL-Anstieg – nicht bei 125 mg. Das ist ein klinisch relevanter Befund, der beim Dosieren beachtet werden sollte.
Nicht belegt
- Überlegenheit gegenüber Resveratrol in klinischen Endpunkten (wegen fehlender direkter Vergleichsstudien)
- Lebensverlängerung beim Menschen
Ist Pterostilben sicher?
Bei 50–125 mg/Tag gilt es als wahrscheinlich sicher. Der LDL-Anstieg bei höheren Dosen ist ein echtes Signal – daher bei kardiovaskulärem Risikoprofil vorsichtig und mit Blutbild-Monitoring. Nicht zusammen mit Blutverdünnern einsetzen.