MikroScore
Nur Tierstudien Sicherheit: Wahrscheinlich sicher Studiendosis: 500 mg/Tag

Quercetin

Auch bekannt als: Quercetin Supplement, Quercetin + Dasatinib, Senolytikum

Evidenzlage auf einen Blick

Als Antioxidans gut belegt, aber bei Nahrungsaufnahme im Körper kaum nachweisbar (schlechte Bioverfügbarkeit). Als Senolytikum (Beseitigung seneszenter Zellen) vielversprechend in Tierstudien, aber Humanstudien sind sehr früh und begrenzt. Die Mayo-Klinik-Studien mit Quercetin + Dasatinib sind interessant, aber nicht auf Quercetin allein übertragbar.

EU Health Claims: Keine zugelassenen Claims

EFSA hat keine Health Claims für Quercetin zugelassen. Als Lebensmittelbestandteil ist Quercetin in natürlichen Mengen unbedenklich. Hochdosierte Supplements (500+ mg) sind regulatorisch nicht als Novel Food eingestuft, was die Rechtslage in der EU uneinheitlich macht.

Was ist Quercetin?

Quercetin ist ein Flavonoid, das natürlich in Zwiebeln, Äpfeln, Kapern und grünem Tee vorkommt. Als Supplement wird es für zwei verschiedene Anwendungen vermarktet:

  1. Als Antioxidans — gegen oxidativen Stress
  2. Als Senolytikum — zur Beseitigung seneszenter („zombie”) Zellen

Diese beiden Anwendungen haben sehr unterschiedliche Evidenzlagen.

Senolytika — was sind das?

Seneszente Zellen sind Zellen, die sich nicht mehr teilen, aber auch nicht absterben. Sie senden entzündliche Signale aus und häufen sich mit dem Alter an. Die Idee: Wenn man diese „Zombie-Zellen” selektiv entfernt, könnte man Alterungsprozesse verlangsamen.

Bei Mäusen funktioniert das beeindruckend: Senolytische Behandlung verlängerte die gesunde Lebensspanne, verbesserte Organ-funktion und reduzierte altersbedingte Erkrankungen.

Das Problem mit den Humanstudien

Die bekannten Senolytik-Studien vom Mayo-Klinik verwenden Dasatinib + Quercetin (D+Q) kombiniert. Dasatinib ist ein Krebsmedikament (BCR-ABL-Inhibitor) und nicht ohne ärztliche Verschreibung verfügbar. Die senolytische Wirkung in Humanstudien ist auf diese Kombination zurückzuführen — nicht auf Quercetin allein.

Ob Quercetin als Einzelsupplement senolytische Wirkung beim Menschen hat, ist nicht belegt.

Bioverfügbarkeit: Ein grundlegendes Problem

Quercetin wird oral schlecht aufgenommen und im Körper schnell abgebaut. Die tatsächlichen Konzentrationen im Gewebe nach Supplementierung sind gering. Neuere Formulierungen (z.B. Quercefit/Phytosome) haben verbesserte Bioverfügbarkeit, aber ob das klinisch relevant ist, ist unklar.

Fazit

Als Lebensmittelbestandteil: unbedenklich und wahrscheinlich nützlich. Als hochdosiertes Longevity-Supplement: Die Evidenz rechtfertigt den Hype nicht. Wer an Senolytica interessiert ist, sollte die klinischen Studien abwarten — das Feld entwickelt sich schnell.

Wichtigste Studien

Quercetin and Dasatinib Reduces Senescent Cells in Humans (Mayo Clinic)

Xu M et al. (2018)

Erste Humanstudie mit D+Q (Dasatinib + Quercetin): Reduktion seneszenter Zellen im Fettgewebe von Diabetikern mit chronischer Nierenerkrankung. Sehr kleine Studie, Dasatinib ist ein Krebsmedikament.

PubMed PMID 29988130

Quercetin and Dasatinib in Idiopathic Pulmonary Fibrosis

Justice JN et al. (2019)

D+Q verbesserte bei IPF-Patienten körperliche Leistungsfähigkeit und Ganggeschwindigkeit in einer kleinen Pilotstudie (n=14).

PubMed PMID 31578601

The Senolytic Drug Quercetin Removes Senescent Cells and Improves Physical Function

Kirkland JL & Tchkonia T (2020)

Review der Mayo-Klinik-Forschungsgruppe: Zusammenfassung der Senolytik-Evidenz für Quercetin. Vielversprechend, aber noch in früher klinischer Phase.

PubMed PMID 32233013

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