Auch bekannt als: Trans-Resveratrol, Pterostilben, Resveratrol Supplement
Evidenzlage auf einen Blick
Tierstudien zeigen eindrucksvolle lebensverlängernde Effekte. Humanstudien sind enttäuschend: Mehrere RCTs zeigten keinen klaren Nutzen bei gesunden Erwachsenen. Bei spezifischen Gruppen (Diabetes, Herzerkrankung) gibt es einzelne positive Signale, aber keine konsistenten Ergebnisse.
EU Health Claims: Keine zugelassenen Claims
EFSA hat keinen einzigen Health Claim für Resveratrol zugelassen. Entsprechende Anträge wurden abgelehnt mangels ausreichender Humanevidence. Produkte dürfen in der EU keine gesundheitsbezogenen Aussagen über Resveratrol machen.
Das Versprechen und die Realität
Resveratrol wurde durch David Sinclairs Forschung und das populäre Buch „Lifespan” berühmt. Das Molekül aktiviert in Laborversuchen Sirtuine (SIRT1) — Proteine, die mit Langlebigkeit assoziiert werden. Bei Mäusen verlängerte es die Lebensspanne deutlich.
Das Problem: Beim Menschen ist der Transfer bisher nicht gelungen.
Was sagen die Humanstudien?
Das Positive
Einige kleine Studien zeigen anti-entzündliche Effekte
Bei Diabetikern: einzelne positive Signale für Blutzucker und Insulinsensitivität
Relativ sicheres Sicherheitsprofil
Das Problem
Die InCHIANTI-Studie (eine der wenigen echten Bevölkerungsstudien) fand keinen Zusammenhang zwischen Resveratrol-Spiegeln und Sterblichkeit
Resveratrol hemmt nachweislich positive Trainingseffekte — ein kontraintuitiver Befund
Bioverfügbarkeit ist niedrig: Der Körper baut Resveratrol sehr schnell ab
Kein einziger RCT hat lebensverlängernde Effekte beim Menschen gezeigt
Warum das Rotwein-Argument nicht zieht
Rotwein enthält nur ~1–2 mg Resveratrol pro Glas. Supplements enthalten 250–1.000 mg. Die Alkohol-Toxizität des Weins macht den minimalen Resveratrol-Gehalt mehr als wett — Rotwein trinken „wegen Resveratrol” ist nutritionswissenschaftlich nicht haltbar.
Sicherheit
Bei üblichen Dosen (bis 1.000 mg/Tag) gut verträglich. Bei sehr hohen Dosen (2.000+ mg/Tag) wurden Magenprobleme berichtet. Wechselwirkungen mit Blutverdünnern möglich (Resveratrol hemmt Thrombozyten).
Unser Fazit
Resveratrol ist wissenschaftlich interessant, aber als Supplement derzeit nicht empfehlenswert — die Humanstudien rechtfertigen weder den Preis noch die Erwartungen aus dem Marketing.
Wichtigste Studien
Resveratrol for Primary Prevention of Atherosclerosis: A Meta-Analysis
Sahebkar A et al. (2013)
Meta-Analyse: Resveratrol senkte Triglyceride und LDL leicht, aber Effekte waren inkonsistent und klinisch wenig relevant.