Der Claim
“Unser Curcumin ist das natürliche Ibuprofen – gleicher Effekt, ohne Nebenwirkungen.”
Diese Gleichsetzung findet sich in vielen Social-Media-Anzeigen und ist aus deutscher/EU-Sicht besonders sensibel, weil hier ein Lebensmittel praktisch mit einem Arzneimittel gleichgesetzt wird.
Was die Studien zeigen
- Die häufig zitierte RCT von Kuptniratsaikul (2014) verglich 1.500 mg Curcuma-Extrakt/Tag mit 1.200 mg Ibuprofen bei Kniearthrose über 4 Wochen. Ergebnis: ähnliche Schmerz- und Funktionsscores in diesem spezifischen Setting, bei mehr gastrointestinalen Nebenwirkungen im Ibuprofen-Arm.
- Das bedeutet nicht, dass sich die Ergebnisse pauschal auf jedes Curcumin-Produkt übertragen lassen. Die Studie nutzte einen standardisierten Extrakt; viele Supplements unterscheiden sich stark in Zusammensetzung und Bioverfügbarkeit.
- Es fehlen große, methodisch robuste Studien zu längerer Einnahme, zu anderen Populationen und zu klinisch harten Endpunkten.
Was EFSA / BfR dazu sagt
Für Curcuma/Curcumin existiert derzeit kein zugelassener EU-Health-Claim. Werbliche Aussagen, die eine arzneiähnliche entzündungshemmende oder schmerzlindernde Wirkung suggerieren, sind deshalb rechtlich besonders riskant.
Unser Urteil
Übertrieben. Einzelne Studien liefern interessante Signale, rechtfertigen aber weder die pauschale Gleichsetzung mit Ibuprofen noch ein werbliches “natürliches Ibuprofen”-Narrativ. Zulässig und sauber bleibt nur eine nüchterne Einordnung der Studienlage – nicht der Eindruck, Curcumin sei ein austauschbarer Arzneimittel-Ersatz.