Der Claim
“Die normale Ernährung liefert genug Selen, Supplemente braucht hierzulande niemand.”
Die Aussage verweist auf eine vermeintlich ausreichende Mitteleuropakost, ignoriert aber geologische und ernährungsbezogene Unterschiede.
Was die Studien zeigen
- Böden: Deutschland zählt im Vergleich zu manchen anderen Regionen zu den eher selenarmen Gebieten. Das beeinflusst den Gehalt in pflanzlichen Lebensmitteln.
- Aufnahmedaten: Viele Erhebungen liegen im Bereich von etwa 35–50 µg Selen pro Tag und damit unter häufig genannten Referenzwerten für Erwachsene.
- Risikogruppen: Vegetarische oder vegane Ernährungsweisen, einseitige Kost oder bestimmte Lebensphasen können mit niedrigeren Aufnahmen einhergehen.
- Statusmarker: In der Literatur werden niedrige Aufnahmen mit geringerer Selenoprotein-Sättigung und ungünstigeren Statusmarkern diskutiert. Das sind Beobachtungen zu Nährstoffstatus und Biomarkern, keine unmittelbaren Krankheitsaussagen.
Was EFSA / BfR dazu sagt
- EFSA: Führt Referenzwerte für Selen auf. Dass viele Aufnahmen darunter liegen, spricht gegen die pauschale Aussage einer flächendeckend guten Versorgung.
- BfR: Betont sowohl das Thema Unterversorgung in Teilen der Bevölkerung als auch die Risiken unnötig hoher Zufuhr. Beides spricht gegen pauschale Aussagen in beide Richtungen.
Unser Urteil
Falsch. Die Kombination aus selenarmen Böden und häufig eher niedrigen Aufnahmewerten macht die Aussage “in Deutschland ist man gut versorgt” zu pauschal. Sauber ist eine nüchterne Bewertung über Ernährungsdaten und gegebenenfalls individuelle Statusbestimmung – nicht über pauschale Pflicht- oder Anti-Supplement-Botschaften.