Der Claim
“Wenn eine Aminosäure nicht essentiell ist, brauchen wir sie nicht extra aufzunehmen.”
So wird Glycin häufig abgetan – besonders in Diskussionen um Kollagen oder Glutathion-Supplemente.
Was die Studien zeigen
- Definition: Nicht-essentiell bedeutet nur, dass der Körper prinzipiell Glycin herstellen kann.
- Praktischer Bedarf: Studien zu Kollagensynthese, Glutathionbildung und antioxidativer Kapazität zeigen, dass die endogene Produktion den Bedarf vieler Menschen nicht abdeckt.
- Humanstudien: Ergänztes Glycin verbessert Schlafqualität, Insulinsensitivität und Entzündungsmarker in mehreren kleinen RCTs.
Die Daten sprechen für eine funktionelle Limitierung – Glycin verhält sich „conditionally essential”.
Was EFSA / BfR dazu sagt
- EFSA: Keine Health Claims für Glycin zugelassen. Das sagt nichts über die physiologische Relevanz, nur über die Beweislast nach EU-Claimrecht.
- BfR: Keine spezifischen Warnungen oder Freigaben – Glycin wird als sicher angesehen.
Unser Urteil
Falsch. Glycin ist strukturell und metabolisch bedeutend. Dass es synthetisierbar ist, entkräftet nicht den Bedarf, den sowohl Ernährungsdaten als auch Humanstudien zeigen.